Freitag, 15. Januar 1993

"Don Juan kommt aus dem Krieg" in den DT-Kammerspielen

Manche Menschen haben um ihr Herz einen Panzer, der ist so dick, daß nur eine Gewehrkugel ihn ankratzen kann. So ein Panzerwesen ist Don Juan in Ödön von Horvaths "Don Juan kommt aus dem Krieg". In den Kammerspielen des Deutschen Theaters war der Frauenheld ideal besetzt mit Peter Simonischek: Groß und breit, ein Schrank, an den sich die Weiber hängen, und er spürt kaum etwas davon.

Don Juan hat dem Lotterleben abgeschworen, seitdem ihn eine Verwundung fast in die Hölle befördert hätte. Doch das Schieberdasein im Nachkrieg läßt sein Traumbild von der wahren Liebe flott verblassen. Die vermeintliche Reinigung im Stahlbad des Krieges erweist sich als Tünche.

Das Stationendrama zeigt den Niedergang des Don Juan bis zur stillen Höllenfahrt im Schnee. Für die starken Leistungen der Schauspieler (außer Simonischek u.a. Petra Hartung, Inge Keller, Gabriele Heinz, Johanna Schall, Barbara Schnitzler) gab es immer wieder Szenenapplaus. Die Inszenierung von Michael Gruner dagegen: Uninspiriert, mutlos, bestenfalls solide. Sowas kriegt man in jedem Stadttheater zu sehen. Bisher mußte man dafür nach Braunschweig oder Oldenburg fahren. Jetzt nur noch zur Schumannstraße in Berlin-Mitte.

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