Samstag, 11. Dezember 1993

"Der Cid" im Deutschen Theater

Es lebe der Tod - mit diesem Schlachtruf stürzten sich im Spanischen Bürgerkrieg die Franco-Anhänger in den Kampf. Es lebe der Tod - nach dieser Regel funktioniert auch die Welt des "Cid", angesiedelt im mittelalterlichen Spanien, geschrieben von Corneille für den französischen Hof 1636.

Kindische Gemüter mit einem hohlen Verlangen nach Rache und Ruhm bevölkern diese Welt. Im Zaum gehalten werden sie durch eiserne gesellschaftliche Regeln. Kompromisse sind nicht zugelassen - wer die Normen verletzt, muß es mit dem Tod sühnen.

Alexander Langs Inszenierung stellt die adligen Granden als Comic-Figuren bloß. Don Diego (Kurt Böwe) und Don Gomez (Dietrich Körner) gebärden sich so aufgeplustert wie der Fischhändler Verleihnix und der Schmied Automatix, die sich bei "Asterix" ständig faule Fische um die Ohren hauen.

Die Liebenden Jörg Gudzuhn als Cid, ein Kraftmensch, der den Torrero-Dreß trägt wie eine Jogginghose, und Dagmar Manzel als schulmädchenhaft flatternde Chimène werden durch den Streit ihrer Väter in einen ausweglosen Konflikt gestürzt. Den kann am Ende nur der König lösen. Er ist der Kindergärtner, der darauf achten muß, daß sich seine Untertanen nicht gegenseitig totschlagen, bevor die Mauren das besorgen. Horst Hiemer hebt ihn durch sein kraftvoll zurückhaltendes Spiel von der Comic-Galerie rings umher ab.

Alexander Lang kehrt mit dem "Cid" im Triumph nach Berlin zurück. Mit einer böse gedachten und konsequent umgesetzten Inszenierung. Vergessen die Rolle, die er mit der "Viererbande" beim Niedergang des Schiller Theaters gespielt hat. Als Intendant gescheitert, als Regisseur, wie seine Schauspieler, minutenlang im Deutschen Theater gefeiert.

BZ Berlin

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