Samstag, 20. Februar 1993

"Der Weltuntergang" in der Schiller-Werkstatt

Valentin ohne Valentin - geht denn das? Regisseur Benno Iffland und sein Team beweisen in der Werkstatt des Schiller Theaters: Die Szenen und Monologe des schrägen bayerischen Logik-Zertrümmerers funktionieren auch, wenn das skurrile Klappergestell sie nicht selbst verkörpert. Wäre ja auch schrecklich, wenn das Werk Valentins (1898-1942) mit ihm gestorben wäre.

Eigentlich unvorstellbar, daß die Kopf- und Sprachverrenkungen Valentins einen ganzen Theaterabend tragen sollen. Aber Iffland dehnt seine Valentinade klug nicht über Gebühr aus: Eineinhalb Stunden in jenem grellen cabaret-artigen Stil, der langsam fast zu einem Markenzeichen der Schiller-Werkstatt geworden ist.

Kein ganz großes Theater. Kleinkunst eben - im besten Sinne des Wortes. Einer darf natürlich nicht fehlen: Der Buchbinder Wanninger, das Urbild aller Satiren über die Tücken der telefonischen Kommunikation. Walter Pfeil spielt ihn mit dem nötigen Wahnsinn.

Höhepunkt der Nummernrevue ist die Umzugsszene: Benno Iffland und Christiane Leuchtmann (herausragend, mit dem schwungvollen Klamauk einer Erzkomödiantin) als Ehepaar, das mit dem Chaos jongliert. Ein Wunder an Körperbeherrschung. Irrwitzig, wie sie einen babylonischen Turm aus Handwagen, Hausrat, Möbelstücken, Blumentöpfen und Goldfischglas voll Apfelsaft errichten.

Ein spaßiger Abend. Nicht mehr. Aber mehr wollte es schließlich auch nicht sein.

BZ Berlin

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