Donnerstag, 1. April 1993

"Fernando Krapp hat mir diesen Brief geschrieben" im Schloßpark-Theater

So anmutig wütend ist auf deutschen Bühnen selten mit Schuhen geschmissen worden! Kein Wunder, daß der reiche Protz Fernando Krapp (Matthias Brenner) die bezaubernde Werferin Julia (Suzanne von Borsody) sofort seinem Besitz einverleiben will. Er kauft sie ihrem Vater, dem Schuh-Fetischisten und Bankrotteur (Thomas Kasten) ab.

Damit beginnt Tankred Dorsts Drama "Fernando Krapp hat mir diesen Brief geschrieben". Damit beginnt auch Julias Niedergang, den Bruno Klimek im Schloßpark-Theater präzise, kühl und intelligent in Szene gesetzt hat. Denn Fernando liebt sie nicht - oder kann es ihr nicht sagen. Und ihre Liaison mit dem Grafen, einem feingeistigen Hampelmann (wunderbar würdelos verkörpert von Thomas Schendel), endet erst in der Klapsmühle, dann im Tod.

Daran sind nicht nur die gockelnden Männer schuld, sondern auch Julias eigene Maßlosigkeit: Sie will die Wahrheit oder den Tod. Und begreift nicht, daß die Liebe am besten im Nebel der Lüge gedeiht.

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