Samstag, 22. Mai 1993

"Wstawate, Lizzy, wstawate" in den DT-Kammerspielen

Ein ausgebombter Saal mit zerborstenen Säulen und Fenstern, ein Radio, ein Schirm, eine Kiste, eine Tasche und eine großartige Schauspielerin (Gudrun Ritter) - genug für einen beeindruckenden Abend in den Kammerspielen des Deutschen Theaters. Nicht genug für einen Triumph.

"Manege frei für eine ältere Dame" oder "Wstawate, Lizzy, wstawate" heißt das Stück von Lothar Trolle. Lizzy phantasiert. Vom Zirkus, von der Operettenbühne, von Auschwitz. Von den Kindern, die das Krematorium in 20 Minuten in zwei Pfund Asche verwandelt. Und von Lizzys anderem Ich, der Lehrerin Frau Lizman, der die SS-Leute zurufen: "Wstawate! Spring!"

Der komplexe Monolog wird nicht verständlicher dadurch, daß manches kaum noch hörbar leise gesprochen wird. Regisseurin Tatjana Reese hätte mal: "Lauter!" rufen sollen.

Ansonsten ist die Ritter klar. Erbarmungslos klar. Etwas mehr Verhuschtheit hätte die Lebenskraft dieser Figur gesteigert. Trotzdem: ein großes Stück typisch ostdeutscher Schauspielkunst. Was man halt am Deutschen Theater erwartet.

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