Freitag, 24. September 1993

"Shakespeare & Rock'n'Roll" im Musical Theater Berlin

Der ganz große Wurf bis ins nächste Jahrtausend ist es wohl nicht geworden, aber immerhin haben die Brüder Kurz mit ihrem "Shakespeare & Rock'n'Roll" im Musical Theater Berlin ein charmantes Raumschiff Tralala abheben lassen. Man darf annehmen, daß diese deutsche Erstaufführung des englischen Erfolgsmusicals (Regie: Dion McHugh) eine längere Flugzeit haben wird als der Marlene-Flop.

Die Story ist fast nur mit dem Programmheft nachvollziehbar. Shakespeares Drama "Der Sturm" ist kompliziert. Durch Übertragung ins Weltall und das Jahr 2024 wird die Handlung nicht überschaubarer. Und die Schauspieler, überwiegend Engländer, sprechen wie Kennedy, als er sagte "Ick bin an Balinne". Lustig, aber schwer verständlich.

Nicht zuletzt deshalb gibt es einen Erzähler: Hajo Friedrichs auf der Video-Leinwand. Todsicher, der Trick. Wer lauscht nicht gern dem "Mr. Tagesthemen"? Jubel, als er verspricht: "Jetzt wird's geil." Eine Minderheit im Publikum wand sich ob der Peinlichkeit auf den Sitzen.

Genug genörgelt. Wen interessiert bei dieser Weltraum-Revue schon die Handlung? Singen können sie, die Kurz-Engländer. Und wie! Vor allem Zalie Burrow als Miranda macht "Teenager in Love" und "Hey Mr. Spaceman" zu echten Glanznummern. Ihre Kollegen stehen ihr kaum nach. Und weil auch die Band, die Arrangements und die Choreographie gut sind, klingen die Pop-Hits der 50er und 60er meist wirklich mitreißend. Wenn dann ganz viele Leute auf der Bühne singen, spielen und tanzen, tanzen, tanzen, wenn dazu die bombastische Lasershow blitzt und funkelt - das ist so partymäßig wie die Les Humphries Singers in ihren besten Tagen. Ach, wer da mithotten könnte ...

BZ Berlin

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