Freitag, 19. November 1993

"Die Riesen vom Berge" im Maxim-Gorki-Theater

So kann sich ein talentierter Regisseur einen Bruch heben: Ausgerechnet das schwierigste aller schwierigen Stücke von Luigi Pirandello (1867-1936) brachte Rolf Winkelgrund im Maxim Gorki Theater auf die Bühne. Und der Mann, der 1992 eine mehr als achtbare "Wassa Shelesnowa" fertiggebracht hat, scheitert.

"Die Riesen vom Berge", 1936 geschrieben und unvollendet (den geplanten Schluß hat Pirandello seinem Sohn Stunden vor seinem Tode erzählt), spielt in einer Welt zwischen Märchen Traum und Realität. Der Zauberer Cotrone (Klaus Manchen) herrscht dort wie Prospero in Shakekspeares "Sturm" auf seiner Insel. Zu diesem Cotrone und seinem Gefolge, einer Sammlung von Gestalten, skurril wie eine Live-Übertragung aus dem Unterbewußtsein, gesellen sich die Gräfin (Anne-Else Paetzold) und ihre Schauspiel-Truppe.

Manchmal stehen mehr als 15 Menschen zusammen und tauschen Tiefsinnigkeiten aus. Über das Theater, über die Kunst, über Gott und die Welt. Sie erzählen, was war, und was sein wird. Doch jede Bewegung wird durch das Quetsch-Bühnenbild von Eberhard Keienburg erstickt. Äußere Handlung gibt es nur einmal im Traum.  

Auch Poesie und Magie kommen nicht auf. Klaus Manchen ist als Cotrone fehlbesetzt: Der Mann hat, bei allem Respekt vor seinen Fähigkeiten, leider überhaupt nichts Zauberhaftes. Und Daniel Minetti als Graf wird unter den Augen seines berühmten Großvaters (wie Thomas Langhoff, Christa Wolf und Jürgen Schitthelm Premierengast) zum dumpfen Hampelmann gemacht.

Lebendiges Theater wird so nicht aus Pirandellos Gedankenspiel. Die widerstrebenden Elemente - Tiefe, Tragik, Komik, Magie, Romantik - hat der Regisseur nur lose zusammengefügt. Zweieinhalb Stunden lang fallen sie ständig wieder auseinander.

BZ Berlin

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