Sonntag, 7. November 1993

"Geld anderer Leute" im Renaissance-Theater

Schlachtfeld Wall Street: Jerry Sterners Stück "Geld anderer Leute" im Renaissance-Theater gewinnt den komplizierten Kriegen an der New Yorker Börse eine unterhaltsame Seite ab. Bilanzen, Renditen, Verfügungen, Computeranalysen, Sperrminoritäten sind die Waffen, mit denen der Finanzhai Lawrence Garfinger (Ex-Guldenburg-Fiesling Wilfried Baasner) und die Anwältin Kate Sullivan (Susanne Uhlen) um die Aktienmehrheit der Provinzfirma "Draht & Kabel" kämpfen. In ihren Duellen lassen sie tatsächlich manchmal etwas von der Erotik des Geldes spüren. Und einmal darf Susanne Uhlen halbbekleidet die älteren Herren im Publikum verrrückt machen.

Gnadenlos verzichtet Sterner auf jeden Hauch von Happy End: Garfingers Appell an die niedrigsten Instinkte siegt. Den gefühlsduseligen Firmen-Patriarchen (Robert Freitag) erledigt er mit einem einzigen Wort: "Amen". Er besticht den Geschäftsführer (Volker Brandt) wickelt die Firma ab, gewinnt Millionen - dazu Herz und Körper seiner schönen Gegenspielerin. Am Stück hat's nicht gelegen, wenn der Abend im Mittelmaß stecken bleibt.

Dafür ist sonst alles wie gehabt: Die Schauspieler stellen ihre bekannten Gesichter aus. Aber was in einer Fernseh-Großaufnahme gut wirkt, füllt noch lange keine Bühne aus. Marion van de Kamp ist die einzige, die eine Fähigkeit zum Theaterspielen wenigstens erkennen läßt. Und Regisseurin Barbara Basel hat bescheiden alle eigenen Gedanken beseite geschoben und sorgfältig jede Interpretation vermieden.

BZ Berlin

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