Freitag, 23. Dezember 1994

"Die Sache Danton" in der Volksbühne

Der Star ist wieder zurück, seine Bandscheibe hat gehalten. Etwas zaghaft zwar noch, doch trotz Perücke und umgeschnalltem Bauch unverkennbar, turnte Henry Hübchen als Danton auf dem steilen Bühnenbild von Hartmut Meyer umher. Ein Sturz hatte ihn am 27. November für Wochen ausgeschaltet. Kurzfristig war Volksbühnen-Intendant Frank Castorf eingesprungen, um die Premiere von "Die Sache Danton" zu retten.

Jetzt endlich wieder Hübchen. Trotz kleinerer Texthänger - schließlich hatte er mehrere Wochen Proben versäumt - ein Gewinn, denn mit Herbert Fritsch (als Robespierre) und Silvia Rieger (als schöner geheimnisvoller St. Just) trägt Hübchen den Abend. Er wird noch besser werden und so auch die Inszenierung.

Deren Grundidee: Die Revolutionäre von 1789 waren Popstars. Kurt Cobain und Robespierre haben mehr gemeinsam als den finalen Mundschuß. Vier ziemlich kurzweilige Stunden ohne die Castorf-üblichen Nerv-Einlagen. Und obwohl es millionen Einwände gegen diese Arbeit gibt: Wieviel besser und mit wieviel mehr Liebe zum Theater ist das gemacht, als der übliche Routine-Mist, den man übers Jahr auf Berlins Bühnen zu sehen bekommt!

BZ Berlin

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