Mittwoch, 11. Januar 1995

Cora Frost und Tim Fischer in der Bar jeder Vernunft

Berlin und München im Lotterbett der bösen Liebeslieder: Cora Frost und Tim Fischer mit ihrem Programm "Niemand liebt dich so wie ich" in der Bar jeder Vernunft. Am Ende versinken sie fast in der Liebe des Publikums - ein Meer aus Blumen als Dank für einen Abend voller Schlager, Operettenduette, volkstümlicher Bösartigkeiten, Pop-Perlen. Zwei teufliche Verführer mit den Stimmen von Engeln. Wobei die Münchnerin Frost der Ober-Engel ist: Sie singt besser, sie bewegt sich besser, sie schielt besser. Was soll's? Fischer ist erst 22, wird noch reifen - die Herzen der älteren Damen und Herren im Publikum gehörten an diesem Abend schon ihm. Auch deshalb, weil er trotz Frack immer noch aussieht wie ein verirrter Straßenjunge.

Der "Stern" hat die beiden zu den Stars des deutschen Chansons erklärt. Werden sie das Liedgut hierzulande endlich aus der trüben Brühe der millionsten Leander- und Dietrich-Aufgüsse befreien? Das beste Lied des Abends war eine Eigenkomposition: Cora Frosts bittere Ballade von der lesbischen, zwergenhaften Krankenschwester, die betrunken und einsam im Bett verbrennt. Mehr davon und die Dietrich-Imitatoren sterben aus. 

BZ Berlin

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen