Mittwoch, 25. Januar 1995

"Eyolf" (Klein Ayolf) im Berliner Ensemble

Geliebtes Grau. Am Berliner Ensemble mit seiner Altherrenriege hat diese Farbe auch immer eine symbolische Bedeutung. Für "Eyolf" hat sich Fritz Marquardt von seinem Bühnenbildner Vincent Callara ein grauschwarzes, gnadenlos ausgeleuchtetes Bühnenuniversum entwerfen lassen. Hier ist der Totentanz der Familie Allmers zu besichtigen.

Ibsens Drama als Skizze: Mann (Martin Wuttke) liebt seine reiche schöne Frau (Corinna Harfouch) nicht mehr. Hat er sie je geliebt? Das Kind Eyolf (Robert Gwisdek), das beide auch nie so recht geliebt haben, ertrinkt. Die geliebte Schwester des Mannes (Margarita Broich) entpuppt sich als Kuckucks-Kind, das gar nicht mit ihm verwandt ist. Doch statt ihrer Liebe Fleisch zu geben, geht die Schwester mit dem handfesten Straßenbauer Borgheim (Michael Kind) davon.

Fritz Marquardts Methode: Er kühlt die dramatische Lava aus, bis sie fest wird. Daraus schnitzt er Figuren. Im Inneren dieser Lava-Puppen sind die Schauspieler gefangen, denen Marquardt sogar vormacht, wie sie eine Treppe hinuntergehen müssen. Das überleben nur die Stärksten. Andere als Corinna Harfouch, Martin Wuttke und Margarita Broich wären vielleicht unter dem Panzer des Konzepts erstickt. Doch diese hier lassen ein kleines Wunder geschehen. Die erste Marquardt-Inszenierung seit Jahren, die nicht langweilt. Wenn der Altmeister sich tatsächlich von der Bühne zurückzieht, wäre es ein Abschied in Ehren.

BZ Berlin

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