Sonntag, 5. Februar 1995

"George Dandin" in den Kammerspielen des Deutschen Theaters

Ein Mann will nach oben. Es glückt ihm nicht. Er bleibt irgendwo im Ungefähren zwischen oben und unten stecken, wird gedemütigt, betrogen und verflucht am Ende seine Dummheit. "George Dandin", eine Komödie vom große Molière, der mehr über die menschliche Gemeinheit wußte als heute alle Briefkasten-Tanten zusammen.

Dieter Montag ist der Dandin in den Kammerspielen des Deutschen Theaters. Ein reich gewordener Bauer, der eine arme Adelige geheiratet hat. Die ersten zwei Akte lang drängt sich eine banale Gleichung auf: Dandin, der ehrliche, einfache Kerl, ist der Ossi. Die geschniegelten Adeligen (die Schwiegereltern Eva Weißenborn, Otto Mellies - der beste von allen, Thomas Bading) mit ihrem doppelzüngigen Gerede und ihren Golfschlägern, Lurex-Handtaschen und Dandy-Stöcken sind die Wessis. Doch nachdem Dandin seiner Frau steinherzig die Gnade verweigert hat, gönnen wir ihm seine Demütigung. Aber auch Angélique (Susanna Simon) mit ihrem kirschroten Hürchenmund taugt kaum als Heldin der Emanzipation.

Wozu also das Ganze? Für viele Lacher. Für zuviel Armwedeln, Trampeln, Rennen. Und für die schönen Ballette des Irrsinns, die Regisseur Friedo Solter manchmal aus dem Wirrwarr formt. Diese einzige Szene: Wenn die Paare (Simon/Bading und ihre Diener Thomas Neumann, Katrin Klein) sich durch totale Dunkelheit zum Rendezvous tasten, schnüffeln, schmecken. Und sich dabei kreuz und quer verwechseln und wiedererkennen. Ein Sommernachtstraum!

BZ Berlin

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