Montag, 22. Mai 1995

"Die Präsidentinnen" vom Akademietheater Wien beim Theatertreffen

Er konnte aus Scheiße Theatergold machen: Der österreichische Dichter Werner Schwab, der Anfang 1994 mit nur 33 Jahren starb. Auch "Die Präsidentinnen", Titelheldinnen seines besten Stückes, reden gern und oft über Stuhlgang. Peter Wittenberg hat das Fäkaldrama für den Burg-Ableger Akademietheater Wien inszeniert. Späte Ehrung des Bühnentempels für den jungen Wilden.

Wie klangvoll, wie abgründig und wie musikalisch ist dieses Gerede über Kot, Katholizismus und Kerle! Der größte Verdienst der drei großartigen Schauspielerinnen (Ortrud Beginnen, Hilke Ruthner, Ursula Höpfner): Sie machen die Musik in dieser schwabischen Ekelkomödie hörbar. Komik entsteht aus Rhythmus und aus der kunstvollen Art, in der die Motive dieses gedrechselten Gequatsches dreier alter Frauen miteinander verschlungen werden. Konsequent, daß dieser Abend im Berliner Ensemble nicht - wie von Schwab vorgesehen - mit einem Mord, sondern mit einer musikalischen Zugabe ("Der Herrgott ist ein Autobus") endete. 

 BZ Berlin

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