Freitag, 23. Juni 1995

"Antigone " im Berliner Ensemble (Gastspiel)

Wer sagt denn, das Berliner Publikum sei gnadenlos? Es wärmte mit halbwegs freundlichem Applaus sogar das Gastspiel "Antigone" im Berliner Ensemble. Schröckliches Theatertheater von Regisseur Hansgünther Heyme. Ob Lachen oder Weinen - alles prunkte hier mit der Hohlheit, die "Theater" zum Schimpfwort für gefälschte Gefühle gemacht hat. Und zugleich Anti-Theater: 100 Minuten hypnotisierte die halbdunkle Einheitsbeleuchtung das Publikum in einem qualvollen Dämmerschlaf. Echte Bewußtlosigkeit wäre eine Gnade gewesen. Sie hätte einem den Anblick von Ekkehard Schall als Kreon erspart - die verschwommene Ruine eines Schauspielers. Da wurde "Antigone" zum Familienzwist in einer orientalischen Krämerfamilie. Und dafür mußten sich gleich fünf Bühnen (u.a. die Ruhrfestspiele Recklinghausen) zu einer Koproduktion aufraffen. 

BZ Berlin

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