Donnerstag, 7. März 1996

"Heiße Rhythmen. Heiße Kienberger, freut mich!" im Prater

Intendant Frank Castorf hat eine unglückliche Liebe: Den Prater im Prenzlauer Berg. Die zweite Spielstätte läuft noch längst nicht so gut wie das große Volksbühnen-Haus. Der Panzerkreuzer am Rosa-Luxemburg-Platz ist für viele unverzichtbarer Teil des "Events" Volksbühne. Die Schönheit des Prater hat sich noch nicht herumgesprochen.

Nun hat der Schweizer Jürg Kienberger für den Prater einen Liederabend maßgeschneidert. "Heiße Rhythmen. Heiße Kienberger, freut mich!" ist der Name dieser hübschen Kleinigkeit. Sie wärmt das Herz, freut die Ohren, beflügelt den Fuß - nicht mehr.

Im bescheidenen 50er-Jahre-Bühnenbild (mit Salzstangen auf den Clubtischchen) und den Kostümen von Barbara Steiner beweisen neun Volksbühnen-Schauspieler mit Melodien von Mozart über Hermann van Veen bis zum Kuba-Sound, daß sie ganz wunderbar singen können.

Daß Kienberger musikalisch multitalentiert ist, ist keine Überraschung. Daß Hendrik Arnst so faszinierend gucken kann wie keiner, ist auch keine. Daß Bernhard Schütz toll Posaune spielen kann, ist eine echte Überraschung. Daß der Abend nur eine gute Stunde währt, ist die einzige unangenehme Überraschung.

Das fand offenbar auch mein Unterbewußtsein: Noch im Schlummer summend träumte ich, ich hätte beim Händewaschen belauscht, wie sich Joachim Tomaschewsky beschwerte, wegen eines falsch gegebenen Stichworts seien drei Lieder ausgefallen! 

BZ Berlin

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