Samstag, 2. März 1996

"Stella oder der letzte Tag der Miss Sara Sampson" in der Studiobühne des Maxim-Gorki-Theaters

Die Dreiecksgeschichte als Grundfigur des bürgerlichen Liebeslebens? Davon gehen die jungen Regisseure Tom Kühnel und Robert Schuster aus, die im Gorki-Studio Goethes "Stella" und Lessings "Miss Sara Sampson" zu einem Mega-Stück über die Verwirrung der Gefühle zusammenoperierten.

Verwirrt von glücklichen Gefühlen sieht man dem Treiben auf der Bühne zu. Rasend schnell und präzise funktioniert das komplizierte Zwitterwesen "Stella oder der letzte Tag der Miss Sara Sampson". Das Bühnenbild ist dreieckig wie das Liebesleben: Zwei Türen und ein Diwan, auf dem die Gefühlsergießungen stattfinden.

Die größten Lacher erzielen die jungen Schauspieler mit Blicken, Gesten oder Pausen im richtigen Moment. Oder mit dem Zusammenprall der beiden Stück-Welten: Der Konfusion der Herzen entspricht die Konfusion der Bühnenfiguren.

Der Wirtsbursche Karl (Christian Weise) muß sowohl den Sampsons als auch Stella & Co als Knecht dienen. Mögen die Liebeshändel der Herrschaften mit dem Tod enden wie bei "Miss Sara Sampson" oder mit Stellas Ehe zu dritt - für den, der die Koffer schleppen und das Blut wegwischen muß, ändert sich nie etwas. 

BZ Berlin

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