Mittwoch, 8. Mai 1996

"Baumeister Solness" vom Nationaltheater Mannheim beim Theatertreffen

Der Bauplan war zu erkennen beim "Baumeister Solness" aus Mannheim. Und die Akteure setzten die Reißbrettphantasien von Regisseur Gerhard Willert präzise um. Dennoch stürzte die Inszenierung so gnadenlos ab wie Titelfigur am Ende von Ibsens Drama. Das Theatertreffen hat seinen ersten Totalflop.

Was Willert wohl wollte: Comictheater - grell, grotesk und antipsychologisch. Zu schon absurden Klängen (Musik: Christoph Coburger) bewegten sich die Schauspieler wie Ausdruckstänzer aus einem Bart-Simpson-Trickfilm.

Das klappt am besten bei den Frauen (besonders gut: Sylvana Krappatsch als Hilde und Alberta Schatz als Aline), am wenigsten bei Solness selbst (Ronald Funke - eher ein "Baumeister Schultheiss", im banalen Berliner Sinne).

Nach einer Viertelstunde (von drei Stunden) haben wir's kapiert. In der zweiten Pause ging ein Drittel des Publikums. Sie verpaßten ein schönes Bühnenbild von Martin Kraemer. Und eine weitere Stunde erfolgloser Bemühungen der Schauspieler, die Willertschen Regie-Bauklötzchen noch zu einem tragfähigen Theatergebäude zusammenzusetzen. 

BZ Berlin

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