Montag, 13. Mai 1996

"Der große Knall" vom Schauspiel Bonn beim Theatertreffen

Die Publikumswirksamkeit eines Gastspiels beim Theatertreffen kann man ablesen an der Zahl derjenigen Menschen, die am Premierenabend noch auf eine Karte lauern. Bei "Der große Knall" aus Bonn wurde man vom U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz bis zum Schiller-Theater sanft belagert. "Suche Karte" hieß die Botschaft auf zweckentfremdeten "Theater-heute"-Prospekten. Das hatte nicht allein künstlerische Ursachen: Die Zahl der Plätze war begrenzt, weil auf der Hinterbühne gespielt wurde und vielleicht 400 Zuschauer dort Platz fanden.

Diese künstliche Angebotsverknappung paßt gut zu Arthur Millers Stück über die große Wirtschaftskrise von 1929. Regisseur David Mouchtar-Samorai hat auch Millers sentimentaler Szenenfolge eine unterhaltsame Kapitalismus-Revue gemacht. Manchmal immer noch triefend, aber meist leichtfüßig, komisch und erhellend. Für ihre Rollenwechsel bedienen sich die Schauspieler (darunter Ex-Schiller-Star Joachim Bliese) in Kleiderständern rechts und links auf der Bühne. Und auch sonst betont das Bühnenbild, das fast nur auch Schnüren, Tischen, Stühlen und Puppen besteht, die Künstlichkeit des Geschehens. Umso peinlicher wirken Ausbrüche realistischen Schauspieler-Amoks mit Heulkrämpfen und Schreianfällen. Dennoch: Bestes Stadttheater, wie man es sich vom Theatertreffen im zweitbesten Falle immer erhofft.

BZ Berlin

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