Donnerstag, 20. Juni 1996

"Fehler des Wahnsinns" im Prater der Volksbühne

Hoffentlich haben sich die Herren nicht erkältet! Johann Kresniks Ballett mit Bühnenarbeitern "Schwanensee/Theater der Grausamkeit" ist einer der Höhepunkte beim Freiluftspektakel "Fehler des Wahnsinns" im Prater. Aber Sorgen haben wir uns doch um die elegant dahintrippelnden Schwanenkerle gemacht. Nicht, weil sie am Ende mit einer Wasser-MP niedergemetzelt werden. Sondern weil es eigentlich zu kalt war, um auf der Freilichtbühne im Tutu herumzuhüpfen. Keine Sorge bereitete uns das Schicksal von Helmut Kohl. Zwar wurde der Kanzler live auf der Bühne von Christoph Schlingensief zum Tode verurteilt. Aber richtige Gewalttätigkeit traut man doch im Ernst weder dem netten Herrn Schlingensief noch seinen als Revolutionären verkleideten Alternativsocken-Freunden zu.

Sonst war's wie immer: Ein schöner, bunter, lauter Theaterrummel ohne allzu hohen Kunstanspruch. Vor allem bei den großen Inszenierungen (u.a. Heiner Müllers "Herzstück" von Gregor Gysi) dominierten die gröberen Effekte, während an den kleineren Spielorten (u.a. im Keller und der Damentoilette) auch leisere Töne möglich waren.

Tip: Nur frühes Kommen sichert Plätze für Castorfs "Sabotage" oder (das schönste überhaupt!) "Das Kleintheater Grüne Gans" von Andrej Woron. 

BZ Berlin

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