Freitag, 7. Juni 1996

"König Oidipus" im Deutschen Theater

Theater, das die Welt nicht braucht: "König Oidipus" vom Dream Team der 80er Jahre, Alexander Lang (Regie) und Volker Pfüller (Bühne). Ein bißchen modern, ein bißchen gestylt, ein bißchen intellektuell, ein bißchen witzig, ein bißchen Frieden ... - na, letzteres nicht.

Vorm tiefschwarzen Bühnenhorizont steht ein hölzerner Abenteuerspielplatz, auf dem Jörg Gudzuhn (Oidipus), Dietrich Körner (Kreon), Christine Schorn (Iokaste) noch einmal den 2424 Jahre alten Figuren des Sophokles die Maske vom Gesicht reißen: Spießer sind sie alle, Witzfiguren fast ohne tragische Fallhöhe, aber so spießig, geduckt und wetterwendisch wie das Volk von Theben (neckisch lustig als Chor: Thomas Bading, Jürgen Huth, Kay Schulze) sind sie dann doch nicht.

Und wer soll sich das ansehen? Tja, irgendwer wird schon kommen. Aber aufregendes modernes Theater sucht, geht wohl ohnehin nicht in eine Lang-Pfüller-Inszenierung. Falls doch, wird er die Aufführung im gepflegten Dämmerzustand absitzen. Und wer seine Klassiker superklassisch wünscht, wird sich u.a. daran stören, daß der blinde Seher Tereisias hier kein textgerechter alter Zausel ist, sondern ein noch recht junger Mann in weißer Operettenuniform. Dabei ist Guntram Brattia als cooler Engel der Verkündigung einer der wenigen Eindrücke, die man tatsächlich bis nach Hause mitnimmt. Der Rest purzelt schon in der Straßenbahn aus dem Gedächtnis wie Kleingeld aus einer löchrigen Hosentasche.

BZ Berlin

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