Donnerstag, 12. September 1996

"Der Zimmerspringbrunnen" im Gorki-Studio

Ein Lehrbeispiel dafür, wie man einen Theaterabend in die Mittelprächtigkeit vergeigt: "Der Zimmerspringbrunnen" in der Studiobühne des Maxim-Gorki-Theaters. Aus dem leidlich lustigen Roman des Berliner Schriftstellers Jens Sparschuh ist ein weitaus weniger lustiges Stück geworden: Im Buch erzählt der zuvor arbeitslose Ost-Berliner Hinrich Lobek von seinem Aufstieg zum "Vertriebsleiter Ost" einer Firma für Zimmerspringbrunnen.

Viel mehr, als seinen Darsteller Ulrich Anschütz erzählen zu lassen, ist Regisseur Oliver Reese (der den Text auch fürs Theater eingerichtet hat) auch nicht eingefallen. Anschütz ist gut, aber um den "Zimmerspringbrunnen" vorm Vertrocknen zu bewahren, müßte er ein Titan sein.

Die Schwächen des Buches werden aufgeblasen. Und sein Charme geht verloren, weil dem kleinen Lobek hier aufgebürdet wird, die ganze Last der Vereinigung als exemplarischer "heimatvertriebener DDR-Bürger" zu tragen. Ostdeutsches Schlagergut als Pausenmusik und Dias DDR-typischer Wohneinheiten runden den Heimatabend ab.

"'Auf der Suche nach der verlorenen Zeit'", sollte Pflichtlektüre für alle DDR-Bürger werden," heißt sagt Lobek einmal. Auch im Gorki kann man jetzt prima Zeit verplätschern.

BZ Berlin

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