Dienstag, 12. November 1996

"Der König stirbt" im Berliner Ensemble

Unsterblichkeit ist der Glaube der Jugend und die letzte Hoffnung des Alters - vielleicht ist es ja das, was Greise immer wieder zu ganz jungen Frauen zieht. Auch Behringer I., der Monarch in Eugene Ionescos Drama "Der König stirbt", hat sich hinfällig, aber lebensgierig an der Pforte des Todes neu verheiratet. Mit der kindlichen Königin (Mira Partecke) feiert er endlos.

Das Leben ein Fest, doch das Fest ist aus. "Du wirst am Ende dieser Aufführung sterben," verkündet die verschmähte alte Königin (Lore Brunner) ihrem Gatten. Und dann reden sie und der Arzt (Veit Schubert) den Monarchen hartnäckig in den Tod. Zuletzt ist man nicht sicher, ob er durch ihre Überzeugungsarbeit oder tatsächlich durch Krankheit siech geworden ist.

Manfred Karge ist jederzeit bemüht, das allmähliche Vergehen des Königs aus der Macht und ins Jenseits voller Brüche und Zwischentöne darzustellen. Aber auf der Bühne zählt nicht das Wollen, sondern das Ergebnis. Und das war so, daß man ihm am Ende bei längeren Elogen einfach nicht mehr zuhörte.

Sterben und Reden sind eben ziemlich undramatische Vorgänge, daran schwächelt Ionescos Stück. Die junge Regisseurin Karin Henkel hat Bewegung, Lautstärke und Musik hineingebracht, wo es möglich war. Doch sie hat auch erkannt, daß die Möglichkeiten, den Text aufzumotzen, begrenzt sind. Lieber orchestriert sie die Bewegungslosigkeit mit Gespür für Psychologie und Rhythmus. Und so riecht dieses absurde Stück, das eine verborgene Brecht-Wahrheit hat (der Tod ist kein Privateigentum) manchmal auch nach "Eau de Breth" oder "Flimm No. 5". Neue Parfüms, die dem BE ganz gut stehen. 

BZ Berlin

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