Mittwoch, 22. April 1998

"Rabenthal" im Theater zum Westlichen Stadthirschen

Bei anderen Off-Bühnen muß Enthusiasmus oft fehlende Qualität ersetzen. Beim „Theater zum westlichen Stadthirschen“ ersetzt Qualität den Enthusiamus, der sich in 15 Jahren ein bißchen verflüchtigt hat. Die Truppe wurde einst als „Schaubühne des Off-Theater“ gepriesen - bevor „Schaubühne“ zu einer Beleidigung wurde.

Die erreichte Gediegenheit hält auch noch stand, wenn das aufgeführte Stück so winzig ist wie „Rabenthal“, Jörg Grasers Dreiecks-Geschichte um einen dekadenten Kunsthändler, der seine Gattin in die Arme eines schmierigen Fischkochs treibt. Dieses Spiel über die Liebe in den Zeiten der Dekadenz hat wieder einmal ein so hohes schauspielerisches Niveau, daß man es problemlos etwa in die Kammerspiele des Deutschen Theaters umtopfen könnte. Fragt sich nur, ob das das Ziel eines Off-Theaters sein soll.

Doch alle grundsätzlichen Einwände und alle Kritik an der getragenen Inszenierung (Regie: Johannes Herrschmann) verblassen angesichts der superpräzisen Leistung von Dominik Bender als Rabenthal, der schön zickig-verstörten Ursula Ofner und des treuherzig-brutalen Thomas Jahn als Koch. Anders als bei den Kugelfischen, die auf der Bühne serviert werden, ist „Rabenthal“ Genuß ohne Vergiftungsgefahr.


BZ Berlin

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