Donnerstag, 28. Mai 1998

"Der Kirschgarten" von Mozgó Ház

Was geschah, nachdem der Kirschgarten in Tschechows gleichnamigen Stück abgeholzt und verkauft war? Bei der Theatergruppe „Mozgó Ház“ aus Budapest und ihrem Regisseur Lazló Hudi erinnern sich die Zeitzeugen Jahre später an den Untergang. Auf drei Videoschirmen sieht man zunächst nur „sprechende Köpfe“ wie in einer TV-Dokumentation. Dann beginnt auf der Bühne das wirkliche Theater. Die Schauspieler kleiden sich deutlich sichtbar für den Zuschauer um, treten ganz unverhüllt von der Seite auf, oder durch Klappen von unten. Theater, das kein Versteckspiel nötig hat.

Dies ist kein „Kirschgarten“ vom Blatt, sondern Tschechow-Material. Stummfilmähnliche Zaubereien über die Leitmotive der Tschechowschen Symphonie des Untergangs. Ästhetisch eine Mischung aus Andrej Woron und Ariane Mnouchkine. Nicht ganz so großartig, aber lebendiger.

Die jungen Ungarn zerschlagen in den Sophiensälern das morsche Holz des Kirschgartens in 1000 Stücke. Und ein Wunder geschieht: Mit ihrer atemberaubenden szenischen Phantasie bringen sie die toten Splitter zum Blühen.

BZ Berlin

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