Sonntag, 24. Mai 1998

"Die Katze auf dem heißen Blechdach" im Maxim-Gorki-Theater

Das Blechdach ist nicht heiß, nur lauwarm. Es ist nicht mal aus Blech, nur aus Pappe. Allein die Katze ist wirklich eine Katze, und sie zeigt scharfe Krallen - Jacqueline Macaulay in der Titelrolle war der größte Lichtblick in „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ im Maxim-Gorki-Theater. Der Neuzugang im Ensemble verfügt über die nötige erotische Power - man begreift, daß ihr Gatte Brick ziemlich neurotisch sein muß, wenn er sie nicht mehr anrührt.

Regisseur Johannes Lepper ist klug genug, gar nicht erst mit dem Realismus des Films mit Elizabeth Taylor konkurrieren zu wollen. Der Zuschauer blickt auf eine Landschaft aus Kisten (Bühnenbild: Momme Röhrbein). Vermutlich bewahren die Figuren darin ihre verlorenen Illusionen auf. Hinter einem Schleier swingt der Pianist Reggie Moore. Maggies Schluß-Triumph gefriert zur verlogenen Idylle fürs Familienalbum.

Vorher arbeitet Rainer Wöss als Brick seine Rolle ab wie einen Gutschein fürs Fitness-Studio. Beim ihm ist alles Schweiß und Atemlosigkeit. Klaus Manchen ist schon vom Typ her eher ein Mecklenburgischer Landschlachter als der Plantagenbesitzer Big Daddy.

Pluspunkte machen die Frauen: Ursula Werner als Big Mama gelingt das Kunststück einer tragischen Klamotte. Und Ruth Reinecke als habgieriges Muttertier Mae ist eine Frau, die man liebt zu hassen.

BZ Berlin

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