Montag, 11. Mai 1998

"Stecken, Stab und Stangl" vom Schauspiel Leipzig beim Theatertreffen

Eine Elfriede-Jelinek-Aufführung, die sogar unterhält, ohne jemals die Poesie und die Wut des geschriebenen Wortes zu verraten - diese kleine Sensation gelang Kazuko Watanabe mit ihrer Inszenierung „Stecken, Stab und Stangl“ für das Leipziger Schauspielhaus, die jetzt beim Theatertreffen gastiert.

Die Österreicherin Elfriede Jelinek ist dafür berüchtigt, eigentlich unspielbare Stücke zu schreiben. „Stecken, Stab und Stangl“ ist ihre wütende Reaktion auf ein Nazi-Bombenattentat im Burgenland, bei dem 1995 vier Roma getötet wurden. Es ist ein Text-Teppich. Eine Collage aus Zeitungskommentaren, Leserbriefen, Fernsehgelaber. Aber auch aus Gedichten, beispielsweise von Paul Celan.

Die in Japan geborene Regisseurin entscheidet sich für die Form einer absurden TV-Show. Die vier famosen Darsteller Martina Eitner-Acheampong, Karin Pfammatter, Friedhelm Eberle und Jürgen Maurer lassen mal als Moderatoren, mal als Studiogäste ihr meist unsäglich verharmlosendes Geschwätz vom Stapel. Zwischendurch singen sie auch. Und ständig hantieren sie mit Strickzeug und Häkelgarn. Am Schluß stehen sie in gehäkelten Tierkostümen da. Im wahrsten Sinne des Wortes verstrickt in ihr Gerede. Und entlarvt als banale Bestien. Es darf gelacht werden. Aber der zirkushafte Witz trägt immer dazu bei, den schwierigen Text zu erhellen. 

BZ Berlin

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen