Freitag, 5. März 1993

"Der Kaufmann von Venedig" vom Wiener Burgtheater im Berliner Ensemble

Früher zündelte er mit Bomben, jetzt mit prunkvollem Feuerwerk. Peter Zadek hat keine Kraft mehr, bewußtseinsveränderndes Theater zu machen. Eindruck vom Gastspiel des Wiener Burgtheaters mit Zadeks "Der Kaufmann von Venedig" (nach Shakespeare) im Berliner Ensemble. Venedigs Kaufleute sind - natürlich - moderne Yuppies. Im Herzen unter dem Anzug dumpfer Judenhaß. Am besten war's, wenn die Inszenierung komödiantisch wurde. Uwe Bohm spielte den Prolo aus Barmbek - wie immer. Bei seinen Stegreif-Scherzen tobte der Saal. Lachen über Ausländer (marokkanischer Prinz mit Gefolge) und Behinderte (Lancelots blinder Vater). Von Tragik war trotz großartiger Schauspieler (vor allem Ignaz Kirchner/Antonio und Gert Voss/Shylock) nichts zu spüren. Immerhin: Ein temporeicher Theaterabend, tolles Bühnenbild (Johannes Grützke), mehr gute Schauspieler (Eva Mattes, Therese Affolter), zweieinhalb Stunden ohne Langeweile. Nicht wenig. Vielleicht ist es unverschämt, vom Genie immer etwas Geniales zu erwarten ...

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