Freitag, 18. Dezember 1992

"Die Präsidentinnen" in der Werkstatt des Schiller-Theaters

Frauen reden über Scheiße: Grete (Ursula Karrusseit) die lustige Naziwitwe, nennt die braune Masse gern beim Namen, Erna (Lieselotte Rau), abgehärmt durch Armut und Moral findet, man könne doch auch "Haufi" oder "Stuhl" sagen. Und Mariedl (Sabine Orléans), der optimistische Religions-Trampel wühlt gern in verstopften Klos. "Die Präsidentinnen" in der Schiller Werkstatt. Eine Komödie des Grazers Werner Schwab: Fäkalien, Verkommenheit, Totschlag. Wohltuend vordergründig inszeniert vom jungen Markus Völlenklee: Manchmal vergißt man hinzuhören, soviel Spaß macht das Zuschauen. Mit greller Jahrmarkts-Sinlichkeit agieren die Schauspielerinnen. Die Freund-Feindinnen Grete und Erna führen Kleinkriege in geschnörkelter Sprache. Schlichte Gemüter, die vornehm tun. Mariedl ist der Puffer zwischen den Fronten. Wird geschlachtet, als sie mit ihrer eigenen Version (in Trance ist der Trampel zart wie die Monroe) die Träume der anderen zerstört. Mitleid kommt nicht auf. Das Opferlamm war auch nur ein Ferkel.

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