Samstag, 20. Februar 1993

"Grillparzer im Pornoladen" im Ballhaus Rixdorf

Ein edles Schuhgeschäft? Ein Pornoshop! Ein Glastisch und 34 matt schwarz-weiße Kartons. Inhalt: Analstöpsel, Vibratoren, Peitschen, Gummipuppen. Die Horror-Utensilien preist der Verkäufer (Volker Spengler) in Peter Turrinis Stück "Grillparzer im Pornoladen". Die Kundin (Irm Hermann) hat sich aus der Hölle ihrer Ehe in den Tempel des Koitus-Kommerz verirrt.

Irm Hermann ist als Frustziege, die vor Dünkel kaum gehen kann, ideal besetzt. Volker Spengler ist abgründig charmant. Zu abgründig. Sein lauernder Wahnsinn macht ihn als Spießer unglaubwürdig.

Was Spengler an Wahnsinn zuviel hat, fehlt sonst überall. Turrini schrieb eine Parabel über die vernichtende Einsamkeit des Menschen. Peter Palitzsch hat mit klinischer Präzision jedes Leben herausinszeniert. Das Stück wird die Uraufführung im Ballhaus Rixdorf (Probebühne des Berliner Ensembles) trotzdem überstehen.

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