Samstag, 20. Juni 1992

"Laßt mich den Löwen auch spielen" im Berliner Globe-Theater

Ob das Shakespeare gefallen hätte? Reinhard Würffel und Kurt Lutz haben für das neue Berliner Globe-Theater ein Stück gebastelt: "Laßt mich den Löwen auch spielen". Zusammengemixt ausschließlich aus Versen, die 36 offiziellen Shakespeare-Dramen entnommen sind. Weitere Bestandteile des Cocktails: Verwechslung, Intrige, Rache, Giftmord.  Eine Komödie natürlich: Verzerr-Effekte, die sich durch den Zitat-Zusammenprall ergeben, hätten jede Tragik zerstört. Handlung: Romeo liebt  Julia, Papa Sir John gibt den beiden seinen Segen, aber ihre intrigante Mutter Gertrud will, daß sie den bösen Richard heiratet. Ein richtig neuer Shakespeare ist es natürlich nicht geworden. Dafür fehlt dem Puzzle die Geschlossenheit der echten Stücke des Jahrtausend-Genies. "Laß mich den Löwen auch spielen" ist oft nicht mehr als ein heiteres Zitate-Raten,  aber immerhin: Wahrhaftig heiter im shakespearschen Geist. Übrigens: Alle Rollen werden von nur drei Männern (Klaus Ziller, Erdogan  Atalay,  Matthias Westphal) gespielt, auch die Frauen.  Das war zu Shakespeares Zeiten üblich

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