Dienstag, 10. Mai 1994

"S.O.S/Mayday "im Stükke-Theater

Der besser Kudamm liegt an der Hasenheide. Die Komödien "S.O.S" und "Mayday", im Stükke-Theater vom Autor Uwe Wilhelm inszeniert, haben (fast) alles, was Boulevard-Theater braucht: Frivole Sprüche im Dutzend. Gelegentlich kreist der Humor-Holzhammer und betäubt wohltuend den Verstand. Und das Ganze ist auch noch voll aus dem Leben mittelalter Menschen gegriffen.

Zuerst monologisiert Held (Silvia Rachor sieht sogar aus wie Edith Hanckes 150 Jahre jüngere Schwester) eineinhalb Stunden als scheidungswillige Ehefrau zum Thema "S.O.S Sex oder Selbstmord". Am stärksten ist sie, wenn sie an die Rampe geht und das Publikum im Nahkampf bezwingt. Sie enthüllt: "Vorgetäuschte Orgasmen sollen ja mehr Kalorien verbrauchen." Und präsentiert lächelnd ihren makellos schlanken Körper unter dem Lackmantel. Das versöhnt mit allen Schwächen.

Danach fragt sich zur Pause jeder? Man man nun wirklich noch einen zweiten Einakter dahinterspannen? Doch Herbert (;Max Herbrechter) zerstreut mit Maschinengewehr Humor wie Jerry Lewis unter Starkstrom alles Zweifel. Denn Herbert ist in "Mayday" Helgas Ehemann, dem Adolf Hitler und Theresa Orlowski im Traum erscheinen. Sein Orgasmus-Problem: "Wenn Helga endlich kommt, sitze ich schon wieder angezogen vor dem Fernseher." Am Ende greift er zum Telefon und spricht ins andere Stück hinein. Dann wird aus zwei Einpersonen-Stücken ein zeitversetztes Zweipersonen-Stück. Und die ungeduldige Frage aus der Pause: "Muß man wirklich?" ist beantwortet: Man muß! 

BZ Berlin

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