Samstag, 13. März 1993

"Wie es euch gefällt" im Schiller-Theater

Der Wald von Ardenne ist ein Zauberwald: Hier werden Frauen zu Männern, die männlicher als die durch Liebe verweichlichten Männer sind. Ein Tyrann wird nur durch das Wort eines Einsiedlers bekehrt. Und am Ende triumphiert die Liebe über alle Hindernisse.

"Wie es euch gefällt" heißt der Waldzauber von Shakespeare. Thomas Brasch hat das Stück übersetzt und bearbeitet. Und Katharina Thalbach hat als Regisseurin (im wieder mal genialen Klapp-Bühnenbild von Ezio Toffolutti) daraus Theater gemacht, wie es uns gefällt: Eine Komödie mit philosophischem Tiefgang, eine Philosophie, die auf leichten Komödiantenfüßen dahergetanzt kommt.

Und ein Spiel mit den Geschlechtern: Im Rückgriff auf die elisabethanische Tradition hat die Thalbach alle Frauenrollen mit Männern besetzt. Michael Maertens kämpft als Rosalind mit den Problemen, die eine Frau hat, die sich als Mann verkleidet. Von einem Mädchen geliebt wird. Und dem Mann, den sie selbst liebt, es nicht zeigen darf. Da bekommt das Lustspiel eine Doppel- und Dreifach-Deutigkeit, daß man sich fragt: Wie konnte denn überhaupt je ein Regisseur so plump und gefühllos sein und diese Rolle mit einer Frau besetzen?

Maertens (er wurde wie die Thalbach zu Recht mit Bravos und Triumphgeheul gefeiert) und der ihm wenig nachstehende Stefan Merki (als beste Freundin Celia) agieren ohne jede Transvestiten-Tuntigkeit. Als sie das erste Mal in ihren Frauenkleidern auftauchen, kassieren sie noch zaghafte Verlegenheitslacher. Dann wird irgendwann alles ganz selbstverständlich - und gelacht wird nur noch, wo der Text, die überschäumende Schauspielkunst und die Fülle zauberhafter Inszenierungs-Gags es rechtfertigen.

Da macht es dann auch überhaupt nichts mehr, daß Michael Maertens einmal vom eigenen komödiantischen Schwung fortgerissen wird. Er fällt aus der Rolle, bricht in Lachen aus und steckt dann auch noch sein Gegenüber an. Normalerweise eine Theater-Todsünde - hier nahm es das Publikum mit Szenenbeifall auf: Als Zeichen, daß die da vorne auf der Bühne des Schiller-Theaters genau soviel Spaß hatten wie wir im Parkett und auf den Rängen.

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