Donnerstag, 16. April 1998

"Dantons Tod" als Gastspiel des Schauspielhauses Bochum in der Volksbühne

Ein Diät-Danton als Gastspiel in der Volksbühne. Allen geschichtlichen Pomp hat Regisseur Leander Haußmann aus Georg Büchners "Dantons Tod" hinausgehungert. Geblieben ist nur das reine Ideendrama der Französischen Revolution. Bei Frank Castorf waren die Revolutionäre vor ein paar Jahren alternde Popstars, bei Haußmann sind Danton (Wolfram Koch), Robespierre (Johann Adam Oest) & Co müde Schauspieler, die sich auf einer Probebühne offenbar schon zu lange mit philosophischen Monologen abquälen. Ihr einziges Publikum sind zwei Nutten, die fürs Zuschauen bezahlt werden. Wenn diese Aufführung des Schauspielhauses Bochum eine Metapher auf die Katastrophe des einst mit revolutionärem Elan gestarteten Intendanten Leander Haußmann ist, dann muß man ihr wege n der Gedankenklarheit, mit der hier einer sein Scheitern bilanziert, Sympathie entgegenbringen.

Doch der Gedanke trägt ein härenes Kleid: Aus gewollter Kargheit wird ungewollte Ödnis. Narkotischer als Haußmann hätte sein Vorgänger Frank-Patrick Steckel oder ein anderer Fürst der Finsternis den dreistündigen "Danton" auch nicht inszenieren können.

BZ Berlin

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