Samstag, 24. März 2012

"Race" im Staatsschauspiel Dresden

Der amerikanische Dramatiker David Mamet war bisher nicht durch prophetische Gaben aufgefallen. Das Spektakulärste, womit er neben seinen erfolgreichen Stücken und Drehbüchern (darunter der Achtziger-Hit "Glengary Glenn Ross") auf sich aufmerksam gemacht hatte, war sein lautstark verkündeter Wechsel vom "hirntoten Linken" (Mamet) zum Bushisten.  

Aus einer zutiefst konservativen Sorge um Amerika heraus, ist auch "Race" entstanden, mit dem Mamet sich als seherisch begabt entpuppt hat: In dem Stück, das nun im in die Bundesliga drängenden Schauspiel Dresden erstmalig auf Deutsch gespielt wird, beschreibt er, wie die Besessenheit vom Thema der Rassenzugehörigkeit die Gesellschaft in den USA unterminiert. Aufsehen erregte das 2009 in New York uraufgeführte Werk aber vor allem dadurch, dass es in Teilen dem großen Drama ähnelt, das sich zwei Jahre später in der gleichen Stadt abspielte: Der Anklage des IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn wegen der mutmaßlichen Vergewaltigung einer schwarzen Frau in einem Hotel.

In "Race" ist der Täter zwar kein Franzose, sein Opfer kein Zimmermädchen - aber anderes ähnelt der DSK-Affäre. Vor allem die Anwälte, die der Millionär Strickland (Tom Quaas) engagiert. Einer von ihnen, Henry Brown (Falilou Seck) ist schwarz und noch zynischer als sein weißer Partner Jack Lawson (Fabian Gerhardt). Strickland erhofft sich davon Pluspunkte bei einer gemischtrassigen Geschworenenjury und bei den Medien, die ihn schon als Wiedergänger der alten Sklaventreiber darstellen. Die Konflikte spielen sich alle in der Anwaltskanzlei ab. Dort wird der Frontverlauf dadurch kompliziert, dass die Assistentin Susan (Larissa Aimée Breidbach), auch sie eine Schwarze, ihr eigenes Spiel spielt. Denn sie hält Strickland für schuldig.

"Race" ist unter der Regie von Burkhard C. Kosminski ethnisch korrekt besetzt: Beide Darsteller der Schwarzen sind Afrodeutsche. Die Gesinnungspolizei, die neuerdings über so etwas wacht, kann sich also nicht beschweren.

Die Ästhetik-Polizei fragt allerdings, ob Mamet ein Alibi hat. Dafür, dass seine Figuren vor allem Thesenträger ohne Hintergrund und Tragik sind. Und dafür, dass die Handys hier noch häufiger klingeln als in einem Kinosaal voller Problemjugendlicher, die einen Totschlagfilm anschauen. Handwerklich ist, wie bei einem Amerikaner erwartbar, zwar alles sauber, und Gags fehlen auch nicht. Aber es ist doch, als hätte Rolf Hochhuth eine Hollywood-Schreibschule besucht.

Kosminski lässt seine Darsteller diesen Haufen Papier durch Tanz- und Musikeinlagen auflockern, bei denen leider das Vorurteil widerlegt wird, dass Schwarze besonders viel Groove haben. Überzeugender ist eine Blues-Nummer, bei der Seck den Dramen-Text röhrt. Auch machen sich die Anwälte offensiv über ihr dauerndes Handyklingeln lustig. Das hilft dem Stück nur bedingt, aber für 100 unterhaltsame Minuten reicht es. 

Die  Welt

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen